Berichte & Untersuchungsergebnisse über NP-Dünger

Das Abschöpfen der P-Vorräte hat messbare Konsequenzen auf die P-Gehalte im Boden

Mangel an Phosphor mindert den Ertrag – Fleischknochenmehl ist als organischer NP-Dünger zugelassen

Dr. Wilfried Zorn, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Jena

Die langjährige Unterlassung der P-Düngung in vielen Regionen Deutschlands hat zu einer Zunahme des Anteils sehr niedrig und niedrig versorgter Böden geführt. Die Entwicklung erfordert ein Umdenken der Landwirte und eine gezielte Phosphat-Düngung unter Berücksichtigung der P-Versorgung der Böden.

Seit wenigen Jahren erfolgt die P-Analytik der Böden bundesweit einheitlich nach der CAL-Methode. Durch eine Modifizierung dieses Analyseverfahrens für kalkreiche Böden (> 10 Prozent CaCO3) wurde eine präzisere Charakterisierung des pflanzenverfügbaren P auch für diese Standorte erreicht und die P-Düngeempfehlung an den tatsächlichen P-Bedarf angepasst. Die P-Düngeempfehlungen leiten sich aus dem P-Gehalt der Böden ab.

Gehaltsklassen für Phosphor im Boden und P-Düngeempfehlungen

  • A sehr niedriger Gehalt stark erhöhte Düngung gegenüber GK C
  • B niedriger Gehalt erhöhte Düngung gegenüber C
  • C anzustrebender (mittlerer) Erhaltungsdüngung in der Regel nach P-Abfuhr
  • D hoher Gehalt verminderte Düngung gegenüber C
  • E sehr hoher Gehalt keine Düngung

Quelle: nach VDLUFA Standpunkt, 1997

Ergebnisse von P-Düngungsversuchen in den neuen Bundesländern belegen hohe Mehrerträge durch P-Düngung bei sehr niedrigem und niederigem P-Gehalt im Boden, wobei die P-Düngewirkung auf leichten Böden höher war als auf mittleren oder schweren.

Bei mittlerem P-Gehalt bewirkte die P-Düngung auf vielen Böden signifikante Mehrerträge bei Mais und häufig auch bei Wintergerste.

Auf Grund hoher Mehrerträge bei sehr niedriger oder niedriger P-Versorgung des Bodens (Gehaltsklasse A und B) ist eine Phosphatdüngung in der Regel wirtschaftlich.

Die P-Bilanz vieler Landwirtschaftsbetriebe, insbesondere viehlose oder –armer Marktfruchtbetriebe, ist in den vergangenen Jahren auf Grund unterlassener P-Düngung negativ. Infolge des zunehmenden Kostendrucks haben viele Betriebsleiter bei der Grunddüngung gespart. Daraus resultiert eine abnehmende P-Versorgung vieler Böden. Dieses Vorgehen ist unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten und dem Erhalt der Bodenfruchtbarkeit aber nur dann sinnvoll, wenn die Böden eine sehr hohe und hohe P-Versorgung aufweisen und die P-Vorräte im Boden die P-Ernährung der Kulturen ohne zusätzliche P-Düngung absichern können. Im Gegensatz dazu sind die P-Bilanzen in vielen viehstarken Betrieben positiv, sodass hier zumeist auf den Einsatz von Handelsdüngern verzichtet werden kann und bei vorhandener, sehr hoher P-Versorgung der Böden auch aus ökologischen Gründen darauf verzichtet werden sollte.

In vielen Regionen ist die P-Bilanz des Acker- und Gründlandes seit 1990 negativ. Allein im Zeitraum 1997 bis 2002 wurde im Mittel dem Boden jährlich 6,5 kg P/ha (= 15 kg P2O5/ha) mehr entzogen, als über mineralische und organische Düngemittel zugeführt. Ähnliche Tendenzen liegen auch in Regionen mit überwiegender Marktfruchtproduktion, insbesondere den neuen Bundesländern, vor. Das langjährige Abschöpfen der pflanzenverfügbaren P-Vorräte der Böden hat natürlich messbare Konsequenzen auf die P-Gehalte der Böden. Die Auswertung von Bodenuntersuchungsergebnissen in Thüringen zeigt einen zunehmenden Anteil niedrig und sehr niedrig versorgter Böden. So wiesen von 1990 bis 1994 noch 30 Prozent des Ackerlandes sehr niedrige und niedrige P-Gehalte auf. Bis zum Zeitraum von 2000 bis 2002 ist der unterversorgte Flächenanteil auf 41 Prozent angestiegen. Diese Tendenz signalisiert einen dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich P-Düngung, vorzugsweise auf Flächen mit sehr niedriger und niedriger P-Versorgung.

Während der kurzfristige P-Bedarf der Pflanzen in erster Linie durch leicht lösliche Mineraldünger abgedeckt werden sollte, können zur Erhaltung des P-Versorgungszustandes der Böden auch andere Düngemittel eingesetzt werden. Eine Möglichkeit dazu besteht im Einsatz phosphathaltiger Sekundärrohstoffdünger wie Klärschlamm und Kompost. Die Düngung von Klärschlamm wird seit Jahren insbesondere hinsichtlich der Schadstoffproblematik kontrovers diskutiert. Auf Grund der Verunsicherung der Landwirte über mögliche nachteilige Konsequenzen ist die Klärschlammdüngung in vielen Regionen Deutschlands gesamt rückläufig. Damit werden dem Stoffkreislauf erhebliche Phosphatmengen entzogen, der bei nachhaltiger Bewirtschaftung der Böden langfristig durch Mineraldünger zu ersetzen ist. Umfangreiche Untersuchungen in den vergangenen Jahren deuten auf eine relativ gute Löslichkeit der Klärschlammphosphate hin. Eine Ausnahme bilden hier Schlämme aus Kläranlagen, die Eisensalze zur Phosphat-Fällung verwenden. Deren P-Verfügbarkeit war in neueren Versuchen mit leichten und mittleren Böden häufig gering und hat im Extremfall zur Festlegung von Bodenphosphaten geführt.

Nach dem Verfütterungsverbot drängt immer mehr Fleischknochenmehl als Düngemittel auf den Markt. Fleischknochenmehl ist in der novellierten Düngemittelverordung vom 26. November 2003 als Düngemitteltyp organischer NP-Dünger zugelassen. Für die Düngung sind insbesondere die Nährstoffe Phosphor, Stickstoff und Calcium von Interesse.

In einem Gefäßversuch mit Mais der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft wurde die P und N Wirkung verschiedener Fleischknochenmehle untersucht. Im ersten Versuchsjahr erreichten die Fleischknochenmehle gemessen am P-Entzug der Pflanzen im Mittel 29 % der Düngewirkung von Superphosphat. Diese Versuchsergebnisse deuten an, dass Fleischknochenmehl als langsam und nachhaltig wirkender cadmiumarmer Phosphatdünger anzusehen ist, dessen Einsatzgebiet sowohl in der Aufdüngung phosphatarmer Standorte als auch in der Erhaltungsdüngung liegt.