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Wie wirkt Hühnertrockenkot auf leichten Böden?

Allgemeine Informationen

Wie wirkt Hühnertrockenkot auf leichten Böden?


Dr. Jürgen Grocholl, Bezirksstelle Uelzen
der Landwirtschaftskammer Hannover

Die Düngung mit Hühnertrockenkot stellt inzwischen für viele Betriebe ein bekanntes und bewährtes Verfahren dar. Diese Betriebe haben inzwischen vielfach auch eine große Sicherheit in der Einschätzung der Nährstofffreisetzung erlangt. Zumindest für Neueinsteiger ist die richtige Anrechnung in der Düngeplanung aber oft ein Rätsel. Probleme bereitet insbesondere der Stickstoff. Auf Lehmböden kann von einer Ausnutzung von mindestens 60 – 80 % im ersten Jahr ausgegangen werden, wie aber sieht es auf leichten Böden aus?

Antworten auf diese Frage liefert ein Versuch aus den Jahren 1995 – 1999. Dabei wurde der Hühnertrockenkot jeweils im Frühjahr ausgebracht. Dieser Düngungs- termin ermöglicht auch die höchstmögliche Nährstoffausnutzung. Seit 1997 ist der Ausbringung im Herbst zudem durch die Düngeverordnung eine Grenze gesetzt. Es dürfen dann noch maximal 80 kg/ha Gesamt-N bzw. 40 kg/ha Ammonium-N auf bewachsene Böden oder zur Strohrotte ausgebracht werden. Dies entspricht einer Hühnertrockenkotgabe von rund 3 t/ha (je nach Nährstoffgehalt zwischen 2 und 4 t/ha).

Versuchsanlage zur Düngung mit Hühnertrockenkot in Lemgrabe (Landkreis Lüneburg, lehmiger Sand, Hühnertrockenkot jeweils im Frühjahr ausgebracht)

Jahr
Frucht
1995
Zuckerrüben
(1996)*
Winterweizen
1997
Zuckerrüben
1998
S.-Braugerste
1999
Winterroggen
Variante
Hühnertrockenkotdüngung (t/ha)
 
ohne HTK 0 0 0 0 0
7,5 t FM/ha 7,2 0 0 0 0
12,5 t FM/ha (3) 4,5 2,8 5 0 0
15 t FM/ha (2) 7,2 0 7,5 0 0
 
Mineralische N-Düngung
 
 
In jeder HTK-Variante wurden 5 mineralische N-Stufen angelegt
 
*: Ertrag nicht ermittelt, **: Kopfdüngung Nährstoffgehalte HTK (Mittel `95 – `97): 26 kg/t Ges.-N, 17 kg/t P2O5, 14 kg/t K2O, 5 kg/t MgO

Nährstoffgehalte

Die Nährstoffgehalte in Hühnertrockenkot unterliegen starken Schwankungen. So wurden in den Versuchen 22 –28 kg/t Ges.-N, 16 – 18 kg/t P2O5 und 12 – 16 kg/t K2O gemessen. Im Vergleich zu den Durchschnittswerten (28 kg/t Ges.-N, 21 kg/t P2O5, 15 kg/t K2O) waren die Nährstoffgehalte also meist geringer. Es sind jedoch auch Hühnertrockenkotlieferungen mit deutlich höheren Nährstoffgehalten bekannt. Bei ausgebrachten Mengen von beispielsweise 5 t/ha sind dies Unterschiede, die durchaus in der Düngeplanung beachtet werden müssen. Daher sollte für jede Lieferung eine Nährstoffanalyse verlangt werden.

Insgesamt entspricht Hühnertrockenkot einem N/P-betonten Mehrnährstoffdünger. Die Phosphor-, Kalium- und Magnesiummengen können in der Düngeplanung voll angerechnet werden. Bei einer Bodenversorgung in Klasse „C“ ist dann auf leichten Böden der Phosphordüngungsbedarf des Fruchtfolgegliedes Zuckerrüben-Getreide bei einer Gabe von rund 5 t/ha gedeckt. Kalium und Magnesium müssen mineralisch ergänzt werden. Zu beachten ist auch der Kalkgehalt, der im Mittel 43 kg/t CaO beträgt, und ebenfalls voll angerechnet werden kann.

 

Stickstoffwirkung

Schwierig ist demgegenüber die Anrechnung des Stickstoffs. Der überwiegende Teil liegt organisch gebunden vor, wird aber im Vergleich zu anderen Wirtschaftsdüngern relativ schnell umgesetzt. Neben der Wirkung im ersten Jahr nach der Ausbringung ist eine Nachwirkung in den Folgejahren zu beobachten. Aussagen über die Höhe der N-Wirkung auf leichten Böden lassen sich aus dem Versuch ableiten.

Im ersten Versuchsjahr wurden nach der Düngung im Frühjahr Zuckerrüben angebaut. In jede Düngungsstufe mit Hühnertrockenkot wurde eine mineralische N-Steigerung gelegt, um die N-Lieferung aus dem Hühnertrockenkot abschätzen zu können. Die Versorgung mit den Grundnährstoffen war in allen Varianten gleich. Ohne organische Düngung wurde der höchste bereinigte Zuckerertrag in der Variante mit einem (mineralischen) N-Angebot von 160 kg/ha erzielt (Abbildung 1). Bei einer Hühnertrockenkotgabe von 4,5 bis. 7,2 t/ha wurde der höchste Ertrag schon bei einer um 50 bzw. 100 kg/ha geringeren mineralischen N-Düngung erreicht. Da mit diesen Hühnertrockenkotmengen rund 100 bzw. 160 kg/ha Gesamt-N ausgebacht wurden, hatte eine N-Anrechnung in Höhe von 50 – 65 % des Gesamt-N zu optimalen Erträgen geführt. Auffällig ist, dass der Ertrag der organisch gedüngten Varianten in fast allen Fällen über dem der rein mineralisch gedüngten lag. Offensichtlich haben in diesem Jahr neben dem Stickstoff und den Grundnährstoffen noch andere Inhaltsstoffe positiv auf das Wachstum der Rüben gewirkt.

Nachdem der Winterweizen des 2. Versuchsjahres nicht beerntet werden konnte, wurden im 3. Jahr erneut Zuckerrüben angebaut (Abbildung 2). Bei rein mineralischer Düngung wurde der Höchstertrag wiederum bei einem N-Angebot von 160 kg/ha erreicht. Dies gilt auch für die Variante, die lediglich 2 Jahre zuvor eine Hühnertrockenkotgabe von 7,2 t/ha erhalten hatte. Allerdings lag hier der Ertrag bei reduzierter Mineraldüngung über dem der schon in den Vorjahren ausschließlich mineralisch gedüngten Varianten. Dies deutet auf eine gewisse Nachwirkung des organischen Düngers hin. Die beiden Varianten, die auch im aktuellen Versuchsjahr Hühnertrockenkot erhalten haben zeichnen sich durch sehr hohe Erträge schon ohne jede weitere N-Düngung aus. Eine geringe mineralische N-Gabe führte zu weiteren Ertragssteigerungen. Bei Anrechnung von rund 40 – 50 % des Gesamt-N wurden in diesem Jahr die höchsten Erträge erzielt.

Nachwirkung

In den beiden folgenden Jahren wurden alle Varianten ausschließlich mineralisch gedüngt, um die N-Nachlieferung aus dem Hühnertrockenkot beurteilen zu können. Die im 4. Versuchsjahr angebaute Sommerbraugerste erzielte in allen in den Vorjahren organisch gedüngten Varianten bei reduzierter Mineraldüngung höhere Erträge als die nicht organisch gedüngte Kontrolle. Dennoch war unter dem Gesichtspunkt des Kornertrages jeweils etwa die gleiche Mineraldüngermenge optimal (Abbildung 3). Die Rohproteingehalte zeigen jedoch deutlich die N-Nach- lieferung aus dem Hühnertrockenkot (Abbildung 4). Im Hinblick auf die bei Braugerste geforderten maximalen Eiweißgehalte von 11,5 % muß bei organischer Düngung in den Vorjahren die mineralische N-Gabe deutlich reduziert werden.

Der im 5. Versuchsjahr angebaute Winterroggen zeigte keinerlei Unterschiede zwischen den in den Vorjahren mit verschiedenen Hühnertrockenkotmengen gedüngten Varianten.

 

Fazit

Die auf einem lehmigen Sand durchgeführten Versuche zeigen bei Frühjahrs- ausbringung des Hühnertrockenkotes je nach Jahresbedingungen eine N-Ausnut-zung von 40 – 65 % des Gesamt-N. Im Folgejahr kann noch einmal mit einer N-Liefe-rung in Höhe von etwa 10 % des Gesamt-N gerechnet werden. Eine geringe Wirkung ist eventuell auch im darauf folgenden Jahr noch festzustellen. Bei langjährigem, regelmäßigen Einsatz sind eventuell noch etwas höhere Ausnutzungsraten zu erreichen. Damit die wegen der jahresbedingt unterschiedlichen Ausnutzung unsichere Anrechnung des Stickstoff nicht zu einer starken Unter- oder Überver-sorgung der Bestände führt, sollte die Hühnertrockenkotmenge auf maximal 5 t/ha (zu den Hackfrüchten) begrenzt werden. Der restliche N-Bedarf kann dann mineralisch, und damit sicher planbar, gegeben werden.